Theater unterm Dach Berlin
William Burgess von Michael Wolf
Berlin, 23. Juni 2016. Wir warten auf Gott. Wir: Das sind das Publikum und Adolf Eichmann. Eichmann will sich endlich erklären, er hat schon seine Ansprache vorbereitet. Das Publikum wartet auf Gott, weil nur der endlich Schluss machen könnte mit dem Irrsinn. Nach Jahrtausenden wäre es wirklich an der Zeit, den Antisemitismus abzuschaffen. Es wäre uns inzwischen sogar egal, welcher Gott die Sache anpackt. Nur ein Gott müsste er sein, also jemand oder etwas, zu dem alles hinführt und der deswegen Endpunkt aller Gedanken und Taten wäre. Adolf Eichmann kennt sich mit solchen Zielen aus. Er organisierte die "Fahrten" in die Vernichtungslager. Das war jetzt zynisch. Und so funktioniert Tomáš Vůjteks Stück "Die Anhörung" auch über weite Strecken. Er stellt den Zynismus der Organisatoren des Holocaust mit großer Geste aus.